Herzlich willkommen zum Rundgang „Angstzonen und Schutzräume. Rechte Gewalt, antirassistisches Engagement und die Jenaer Stadtgesellschaft um 1990“

Der Rundgang beleuchtet Angstzonen und Schutzräume in Jena um das Jahr 1990 herum. Daraus geht die Perspektive hervor, die im Vordergrund steht: der Blickwinkel derjenigen, die bestimmte Orte in der Stadt als Angstzonen erlebten und die Schutzräume suchten oder selber schufen. Im Fokus stehen Perspektiven von Menschen, die rassistische und rechtsmotivierte Einschüchterung und Gewalt erfahren mussten, die sich aber auch selbst organisierten. 

Es werden Orte vorgestellt, an denen Menschen von Gewalt betroffen waren, Orte, an denen sie Schutz suchten, Orte, an denen Solidarität entstand und Orte, an denen Betroffene Eigeninitiativen und Handlungsstrategien entwickelten. 

Der Startpunkt, die Holzskulptur der Jungen Gemeinde Stadtmitte, steht symbolisch für die Aufarbeitung des NSU-Komplexes in der Stadt Jena. Seit vielen Jahren wird sie ehrenamtlich durch Einzelpersonen und Gruppen getragen. Die Junge Gemeinde Stadtmitte hat 2018 zusammen mit dem Holzbildhauer Thomas Kretzschmar mit dieser Skulptur einen Erinnerungsort für die Opfer des NSU im Jenaer Stadtzentrum geschaffen. Seitdem organisiert die Junge Gemeinde regelmäßig an den Todestagen der Opfer des NSU öffentliche Gedenkveranstaltungen auf der Johannisstraße. 

2012, im Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU, unterstützte die JG Stadtmitte eine Tagung des Runden Tisches für Demokratie ( „Sie kamen von hier“ ) mit einer Videodokumentation, in der durch rechtsradikale Gewalt Betroffene zu Wort kamen. In der Dokumentation wurde auch nach kommunalen Verantwortlichkeiten für die Entstehung des NSU bei der Polizei und beim Jugendamt gefragt.

Die Ortsgruppe NSU-Komplex auflösen Jena fordert seit mehreren Jahren eine umfassende Aufklärung des NSU-Komplexes und arbeitet selbst an der Aufarbeitung mit. Unter anderem bietet die Gruppe einen geschichtspolitischen Stadtteilrundgang in Winzerla an und setzte sich für die Benennung des Platzes oberhalb der Haltestelle Damaschkeweg in Winzerla als Enver-Şimşek-Platz ein. 

Die Stadt Jena nimmt sich aktuell, zehn Jahre nach der Enttarnung des NSU, der Aufarbeitung an und koordiniert in diesem Jahr über JenaKultur ein Programm, das ein Auftakt und kein Schlussstrich sein soll. Inwieweit die Aufarbeitung in den nächsten Jahren weiter vorangebracht werden kann, muss sich zeigen. 

Der Rundgang soll einen Baustein und einen Impuls liefern, auch die Entstehungshintergründe des NSU-Komplexes weiter zu beleuchten. Rechercheergebnisse und Transkripte der geführten Interviews können im Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ eingesehen werden und stehen für Bildungs- und Forschungszwecke zur Verfügung. 

Ort des Erinnerns: Von der Jungen Gemeinde Stadtmitte errichtete Holzskulptur in der Johannisstraße